Über Slow Travel, unverplante Zeit und warum Oberbozen ein ziemlich guter Ort dafür ist.
Urlaub kann heute erstaunlich anstrengend sein. Die schönste Wanderung, das beste Restaurant, der perfekte Aussichtspunkt, noch schnell 100 Fotos für Instagram – und ja nichts verpassen.
Für das genaue Gegenteil all dessen gibt es ein schönes altes Wort: Müßiggang.
Gemeint ist damit nicht einfach Nichtstun. Müßiggang ist Zeit, die keinem unmittelbaren Zweck dienen muss. Zeit, in der Gedanken abschweifen dürfen, Gespräche länger werden und auch einmal Langeweile entstehen kann. Gerade diese scheinbar „unproduktiven“ Momente sind nach wie vor besonders wertvoll: weil unser Kopf nicht permanent mit neuen Reizen, Entscheidungen und Aufgaben beschäftigt ist.
Auch im Urlaub fällt uns diese freie Zeit manchmal erstaunlich schwer. Auch freie Tage werden geplant, bewertet und optimiert. Daran ist nichts falsch – eine schöne Wanderung bleibt schließlich eine schöne Wanderung. Wir finden nur: Man muss nicht jeden Tag maximieren.
Was Slow Travel damit zu tun hat
Slow Travel bedeutet nicht, möglichst langsam unterwegs zu sein. Es geht vielmehr darum, weniger Orte intensiver wahrzunehmen, Wege selbst zum Teil der Reise werden zu lassen und nicht jede Stunde schon im Voraus festzulegen.
Oberbozen am Ritten ist dafür ziemlich ideal. Das historische Rittner Bahnl fährt gemächlich durch Wiesen, Wälder und kleine Ortschaften. Die Seilbahn bringt einen in wenigen Minuten hinunter nach Bozen – und genauso unkompliziert wieder hinauf. Spazier- und Wanderwege beginnen mitten im Dorf, und immer wieder öffnet sich der Blick auf die Dolomiten.
Man kann hier weit wandern, nach Bozen fahren, mit dem Bahnl den Ritten erkunden und jeden Tag etwas Neues unternehmen. Oder unterwegs spontan aussteigen. Einen Spaziergang verlängern. Auf einer Bank mit Blick auf die Dolomiten sitzen bleiben. Beim Kaffee feststellen, dass man eigentlich gerade nirgendwohin muss.
Vielleicht ist genau das Slow Travel in seiner angenehmsten Form: nicht weniger erleben zu wollen, sondern nicht schon vorher festzulegen, was alles passieren muss.
Und das Bella Posta?
Auch das Bella Posta in Oberbozen ist so gedacht, dass möglichst wenig organisiert werden muss. Das Frühstück wartet bis 11 Uhr. Tagsüber stehen kleine Snacks, Kaffee, Tee und alkoholfreie Getränke bereit. Am späten Nachmittag gibt es Aperitivo, später Abendessen.
Unser Dolce Vita All Day soll den Tag also nicht mit weiteren Programmpunkten füllen. Im Gegenteil: Es nimmt ein paar Entscheidungen ab und lässt dazwischen Platz.
Natürlich erzählen wir gerne von unseren Lieblingswanderungen, Ausflügen und besonderen Plätzen am Ritten. Aber wir mögen auch jene Urlaubstage, für die man hinterher keine besonders große Geschichte braucht. Ein Spaziergang. Ein langer Kaffee. Ein bisschen Sonne. Vielleicht ein Glas Wein.